Günter Büchner zum 90. Geburtstag am 19. September 2026
Ein Beitrag von Oliver König
Drei Tage dauerte die Bildung der Trainingsgruppen, aber danach lagen immer noch 9 Tage vor uns. Ich war völlig fasziniert von der sozialen Dynamik, die die Aufgabe der Gruppenbildung evoziert hatte, Günter aber war genervt, wie er mir später erzählte. Zumindest war es das letzte Mal, dass er den Teilnehmenden die Gruppenbildung überließ, danach wurden sie im Vorhinein festgelegt. Ohnehin waren die Wahlmöglichkeiten der Teilnehmer*innen sehr unterschiedlich, denn es gab immer eine englischsprachige und zwei deutschsprachige Gruppen. Das war 1983, bei meinem zweiten Teilnehmertraining. Ich landete erst auf einer Warteliste, rutschte dann aber doch noch rein. 45 Teilnehmer*innen und 6 Trainer*innen, heute, zumal für die jüngeren Kolleg*innen, ein kaum mehr vorstellbares Setting. Und das Jahr für Jahr ab 1972, in dem der Internationale Sommerkurses in Berlin, der damals noch „Ferienkurs“ hieß, das erste Mal stattfand. „Mein Grundsatz war ein klarer Rahmen, der nicht verhandelbar war, aber innerhalb dieses Rahmens ein Maximum an Freiheit, an Möglichkeiten zum Experimentieren“, so Günter selbst in einem Interview von 2022.
Was wie eine Anekdote anmutet, enthält doch schon all die Besonderheiten, die Günters Wirken in der deutschen Gruppendynamik so einmalig machen sollten: Als Ort die „Frontstadt“ Berlin, eingekesselt von der DDR; die Internationalität der Teilnehmer*innen, neben Deutschen, Österreichern und Schweizern immer mindestens ein Drittel aus England, Irland, Skandinavien und Südeuropa, nach der Wende 1989 dann auch aus Osteuropa und den ehemaligen russischen Republiken; die Dauer von zwei Wochen, genauer von Montag bis Freitag der Folgewoche; ein jedes Jahr neu zu-sammengestellter Staff, der nie der Dogmatik der „Burgen“-Bildung folgte, die die damalige Sektion 2 Gruppendynamik im DAGG charakterisierte; und eine thematische Fokussierung auf grundlegende Themen der Sozialpsychologie ohne Anbiedern an die gerade vorherrschende Beratermode [...].
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Bildnachweis: mit freundlicher Genehmigung von Klaus Antons.