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Allgemeines

New Work und das selbstorganisierte Team

New Work und das selbstorganisierte Team

TOPS Tage in Berlin, 3.-5. März 2023

„New Work“ ist ein Schleppnetzbegriff, in dem sich so manches verfängt, was gerade en vogue ist in der Beraterszene. Ziemlich unscharf, aber verheißungsvoll und umstritten. Das vorbereitende Team von TOPS fand ihn attraktiv genug, um seinen Versprechungen eine Fachtagung zu widmen. Damit die Beschäftigung mit Phänomenen des New Work an Schärfe gewinnt, fokussierten die Veranstalter/innen auf das, was die Gruppendynamiker/innen bei TOPS wirklich gut verstehen: selbstorganisierte Teams. Das war offenbar eine für viele Beratende und Führungskräfte spannende Engführung. Die Tagung war mit etwa 120 Teilnehmenden ausgebucht.

Auf zwei Routen führte die Tagung die Teilnehmenden auf Entdeckungsreise: zuerst in die Praxis selbstorganisierter Teams und dann zu den spannenden Fragen: Welche Rahmenbedingungen brauchen Teams, damit Selbstorganisation eine Chance bekommt? Und welche Art von Beratung und Führung erleichtert das?

Besonderen Charme hatte der aktivierende Einstieg in die Tagung. Nach wenigen einführenden Worten ging es sofort in Forschungsgruppen, die jeweils ein Team aus dem Umfeld der Selbstorganisation genauer in Augenschein nahmen. Dabei halfen Augenzeugen dieser Teams als Informationsquelle aus erster Hand. Der besondere Clou: Erforscht wurde nicht nur das Team, sondern auch die erkundende Arbeitsgruppe. Worauf achten die? Was interessiert die? Und was haben sie einfach nicht im Blick?

Die Beispiele für Selbstorganisation in Teams kamen aus sehr unterschiedlichen Feldern. Natürlich waren klassische agile Teams dabei, aber auch das Projekt einer Hochschule, eine selbst verwaltete Hausgemeinschaft und ein Team von internen Coaches.

Auf dem zweiten Reiseabschnitt orientierten sich die Erkundungs-Themen an sechs Grundaufgaben, die selbstorganisierte Teams jeder Couleur zu meistern haben. Diese Kernaufgaben hatten Babette Brinkmann und Karl Schattenhofer in ihrem neuen Buch „Erfolgreiche Teams in der Selbstorganisation“ beschrieben. Auf den TOPS Tagen wurden sie praxisnah von den Referentinnen und Teilnehmenden reflektiert.

Am Ende berichtete ein Organisator der Spielwelt „Mini München“, wie man hunderte von Kindern selbstorganisiert Spaß haben lässt und dabei in Politik und Verwaltung einer Kommune einführt. Vorab konnte man in einem Vortrag erfahren, wie mit Design Thinking spielerische Kreativität in den Ernst der Arbeit Einzug hält. Bei Mini München wurde klar, dass bereits das Spielen von Kindern und Jugendlichen sehr ernst genommen wird - wenn man sie sich selbst organisieren lässt.

Was war auf den TOPS Tagen spannend zu erleben? Hier begegneten einander zwei Welten. Auf der einen Seite die agile Welt der Businesscoaches und Führungskräfte. Auf der anderen Seite die gruppendynamisch versierten Prozessberater/innen und Trainer/innen. Beide Seiten beschreiben Selbstorganisation in ihrer eigenen Sprache. Es überraschte angenehm zu sehen, wie ähnlich in beiden Welten gedacht wird - wenn erst einmal die Übersetzung gelingt. Diesen Dialog weiter zu führen, wäre für alle sehr lohnend. Anlässe dafür bieten die DGGO und ihre Mitglieder immer wieder. Im Juni trifft sich die Community der gruppendynamisch Interessierten zur Orgawerkstatt in Hamburg. Am 12. Mai findet die Fachtagung von igo Münster statt zu „Führung. In verwirrenden und komplexen Zeiten. Und im Januar 2024 lockt die Changetagung „Führung zwischen Zustimmung und Zwang“ in die Schweiz.

Wir danken TOPS und dem Vorbereitungsteam für den anregenden und informativen Austausch auf den TOPS Tagen und sind gespannt, was das nächste Thema sein wird! .