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17. Fachtagung - Kraftfelder
Termine

Rückblick - 17. Öffentliche Fachtagung (Juni 2017)

Liebe Besucherin, lieber Besucher!

Soeben haben wir unsere 17. öffentliche Fachtagung mit dem Thema «Kraftfelder in Organisationen –  Organisationsdynamik» erfolgreich abgeschlossen.

 

Das Vorbereitungsteam und der Vorstand bedanken sich sehr herzlich für Ihre Teilnahme und Ihr Interesse!

Unter nachstehendem Link finden Sie weitere Informationen sowie einige der Vorträge zum Download: > Fachtagung

 

Und hier ein persönlicher „Tagungs-Rückspiegel“ von Lucia Zimmermann:

 

Spieglein, Spieglein…

 

Die Heimreise von der öffentlichen Fachtagung der DGGO in Münster ist lange. Leider liessen es in Mannheim die spiegelnden Scheiben des ICE, aus dem wir ausgestiegen sind und in dem Kollegen nach München weiterfuhren nicht zu, wirklich reinzuschauen, Gesichter zu erkennen, mit den Augen zum Abschied nochmal Beziehung aufzunehmen.

 

Ich denke über die Schlussveranstaltung der Fachtagung nach. Die drei Vertreter des Unternehmens, das uns als Referenz während den Tagen zur Verfügung stand, sprachen von Konfrontation mit Widerstand, von fremder Welt, vom nicht ganz befriedigten Wunsch nach Spiegelung, nach Dialog und konkreten Hinweisen aus dem Kreis der Anwesenden. Leise Irritation über die kritischen Worte auch bei den Zuhörenden. Es schien am Schluss und schon während der Fachtagung immer wieder mal ein bisschen wie beim Abschied auf dem Bahnsteig. Der Blick aus dem Zug nach draussen ist zwar gut und klar, der Blick von aussen nach drinnen zeigt vor allem Schemen, Ahnungen, Vermutungen.

 

Wobei die Plätze immer mal wechselten. Drinnen sassen mal die Vertreter des Unternehmens, ein andermal die Resonanz- und Analysegruppen, die von draussen, von Studierenden der Fachhochschule Münster beobachtet wurden. Mal drinnen, mal draussen auch die vielen Teilnehmenden der Tagung, die nicht Mitglieder der DGGO sind, die Vertreter der befreundeten Verbände, die gruppendynamischen Kollegen aus Österreich. Die Blickwinkel und Betrachtungsebenen wechselten ständig. Die Fülle der Möglichkeiten des Betrachtens, des Raus- und Reinschauens zeigt die Begrenzung einer solchen Tagung auf. Begrenzt ist die Zeit und damit die Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen, Beziehungen zu pflegen, Themen zu vertiefen, zu feiern, einfach zu sein. Begrenzt ist auch die Fähigkeit, so viele Eindrücke, Gedanken, Wahrnehmungen und Resonanzen zu ordnen.

 

Kraftfelder in Organisationen haben wir betrachtet. Kraftfelder des ungewohnten Designs haben wir gespürt. Die Resonanzgruppen, die über die Tage beisammen blieben, waren Reisegrüppchen im anderen Zugteil des ICE. Gleiche Richtung, gleiches Tempo, gleiche Weichen, die alle durchschütteln - andere Menschen, andere Fragen, andere Dynamiken. Eine tolle Erfahrung.

 

Während unser ICE viele Stunden nach dem Aufbruch Freiburg passiert, überlege ich, was bleibt: Da ist die Rückmeldung der Studentinnen, die über die Wegstrukturierung von Widerständen berichteten und das ausgerechnet bei uns Gruppendynamikerinnen. Die Völkerkunde, die die Unternehmensvertreter betrieben haben wollen. Die Kunst, die nicht nur im Vortrag und den Resonanzgruppen sondern zusätzlich in Form eines Spazierganges durch die Skulpturenausstellung ihren Platz fand. Die Irritation, die Unbewusstes und Politik auslösen können, nicht nur durch die Inszenierung der beiden Protagonisten. Die scheinbar pathologisierende Sichtweise der Beraterinnen auf Unternehmen, die kritisiert wurde. Das Kraftfeld Geld, das als Seismograph für Veränderungen vorgestellt wurde. Der Ingenieur, dem die Beraterzunft aus Prinzip nicht glauben wollte, dass er den Menschen im Mittelpunkt sieht. Nie werde ich all das zu Ende denken können, was mich während der drei Tage in Schwingung gebracht hat. Ich bin nun gar nicht mehr so unglücklich darüber, dass ich mich bereit erklärt habe, 1000! Zeichen über diese Fachtagung zu schreiben. Schreiben entlastet und ordnet. Wenn es mehr geworden sind und nicht genau dem entsprechen, was allgemein in so einem Tagungsbericht erwartet wird, halte ich es mit dem Vertreter des Kraftfeldes Architektur: „Gönnen wir uns doch mal eine kleine Schräge“.

 

Und jetzt Basel. Umsteigen. Heimfahren. Danke!

(Lucia Zimmermann)